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Keine andere Musik…

Keine andere Musik scheint im Leben eines Musikers so viele Wandlungen und Offenbarungen bereit zu halten wie die von Bach...


cd5Keine andere Musik…

Keine andere Musik scheint im Leben eines Musikers so viele Wandlungen und Offenbarungen bereit zu halten wie die von Bach; diese sind harmonischer, rhythmischer, architektonischer Art – immer scheint es, als würden sie einen ganz speziellen Sinn, ein Geheimnis in sich bergen, wobei ihre Intensität sich proportional zu dem Reichtum eines Werks verhält, dessen ganze Dimension unmöglich auf Anhieb erfassbar ist. Bachs Werke haben einen einfachen Interpreten wie mich seit zwei Jahrzehnten regelmäßig beschäftigt. Ich könnte meine Annäherung an sie folgendermaßen beschreiben: Faszination für die Magie der Harmonik und ihren Ausdrucksreichtum, dann die Erkenntnis, dass Gestus und Klang in der Wiedergabe dieser Werke bescheiden bleiben müssen – und dadurch eher im Einklang mit dem Stellenwert des Menschen zur ihrer Entstehungszeit –  mit dem Ziel,  dem Aufruhr der Gefühle besser dienen zu können.

Ich möchte in diesem Hinblick auf einen Aspekt verweisen, den man nur bemerkt, wenn man sich die Gesamtheit der Sonaten und Partiten vor Augen führt: die Orientierung der Gefühle innerhalb ihrer Abfolge. Es ist faszinierend festzustellen, dass in den ersten vier Werken, wenn auch die Tonarten scheinbar nicht dafür bestimmt sind, einander zu folgen, eine immer tiefere Erforschung der menschlichen Leiden und Leidenschaften sich ausdrückt : « belanglose » Leidenschaften in der ersten, von der französischen Barockmusik inspirierten Partita, dann ein aufbegehrender, stechender Schmerz (2. Sonate, Fuge in a-moll), und schließlich die Krönung der Chaconne (2. Partita in d-moll), in welcher selbst die « göttliche » Dur-Tonart am Ende wieder von Sehnsucht und Enttäuschung verschleiert wird.

An dieser Stelle scheint ein Bruch zu folgen. Schon in den ersten Takten der 3.Sonate in C-Dur spürt man eine andere, sozusagen mineralische Materie, mit einem zunächst kalten und gleichgültigen Optimismus (Adagio). Dieser wird gesteigert mit dem Einsatz der Fuge, welche meiner Meinung nach an den zweiten Satz der Sonate op.111 von Beethoven erinnert (in der gleichen Tonart C-Dur), mit der selben ungeduldigen, stetigen und erwartungsvollen Freude, sowie einem absoluten Vertrauen, das bei Bach formal durch die wörtliche Wiederholung der Exposition bestätigt wird, abgesehen von einem « erratischen » und hartnäckigen G, das aus dem Schlussakkord herausspringt und in der Luft hängen bleibt, als wollte es anzeigen, dass diese Fuge selbst nach ihrem Verstummen weiter klingt. Es folgt die 3. Partita in E-Dur, Ausdruck vollkommener Fröhlichkeit, leicht und einfach, in eine verschmitzte und verspielte Gigue mündend.

Es erscheint mir eine unschätzbare Chance zu sein, aus der Musik zu erspüren, zu welcher letzten Wahrheit jene Schöpfer Zugang hatten, die zu einer solchen Vollkommenheit gelangten, und die uns immer wieder das Gefühl dafür (ein zufälliges und unerschöpfliches zugleich) vermitteln können.

Ich habe hier mit Absicht ein Vokabular gewählt, welches etwas geschwollen wirken mag und nicht die Haltung meiner Interpretation reflektiert. Jenseits des stilistischen Rahmens jedoch, in dessen Grenzen man sich einrichten muss, ist es mir immer bewusst gewesen, dass diesen Werken eine Magie innewohnt, die durch alle Epochen hindurch Hörer und Interpreten immer wieder mit nie erlahmender Intensität überzeugte.

Sicher bewahren wir stets ein kindliches Staunen im Angesicht einer solchen Musik; gerade darin liegt aber ihre ständig sich erneuernde Faszination begründet.


Tedi Papavrami

 
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