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Brahms PDF Drucken E-Mail

Die Harmonie einer Musikaufnahme

cd6

 

Eine Musikaufnahme führt mehr „Handwerker“ zusammen als man vermutet. Durch Zufall finden sie sich zusammen und bündeln ihre Kräfte. Manchmal hat ihre Zusammenarbeit jedoch einen über das normale Maß hinausgehenden, intimeren Charakter, einen engeren Bezug zu ihrem jeweiligen künstlerischen Werdegang. Letzeres war der Fall bei der vorliegenden Aufnahme... Die Harmonie einer Musikaufnahme
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Eine Musikaufnahme führt mehr „Handwerker“ zusammen als man vermutet. Durch Zufall finden sie sich zusammen und bündeln ihre Kräfte. Manchmal hat ihre Zusammenarbeit jedoch einen über das normale Maß hinausgehenden, intimeren Charakter, einen engeren Bezug zu ihrem jeweiligen künstlerischen Werdegang. Letzeres war der Fall bei der vorliegenden Aufnahme.

An Brahms kommt man einfach nicht vorbei. In der Gegenwart ist er sehr präsent und zugleich unendlich weit weg von uns. Wie hätten wir seinen Händedruck empfunden? Hätten wir mit ihm zusammen über etwas lachen können? Hätte uns seine Stimme irritiert, seine Vortragsweise fasziniert? Unmöglich, hierauf eine Antwort zu finden. Seine Musik aber lebt in uns. Sie ist die Farbe des Lebens, von all dem, was wir am meisten schätzen.


Als ich zusammen mit meinem Klavierpartner Philippe Bianconi wieder in die Welt der Brahms-Sonaten eintauchte – diesmal in Vorbereitung auf die bevorstehende Aufnahme – fiel uns auf, daß genau dreizehn Jahre vergangen waren, seitdem wir diese Werke zum ersten Mal zusammen geprobt hatten. Seit der Gründung unseres Duos waren sie präsent. Von jener ersten gemeinsamen Begegnung mit Brahms blieb mir lange Zeit eine gewisse Frustration im Gedächtnis, die mir bei einem Konzertabend in der Bretagne widerfuhr. Ich konnte die klangliche Materie, die ich in der 2. Sonate suchte, nicht auf meiner Geige finden. Dieses Erlebnis wurde für mich zu einem unerschöpflichen Motor des Ansporns. Durch zahlreiche Veränderungen und technische Trouvaillen suchte ich im Laufe der Jahre eine größere Annäherung an das klangliche Universum, das mich in diesem Werk immer inspiriert hatte. Ungeachtet dessen hätte jedoch das gewisse Etwas für dieses Projekt ohne den Beitrag eines weiteren „Handwerkers“ gefehlt. 2006 lieferte mir der Geigenbauer Christian Bayon eine wunderbare Geige, die er gerade fertiggestellt hatte. Im weiten Feld ihrer klanglichen Möglichkeiten fanden meine langen Jahre des musikalischen Suchens endlich eine konkrete Form.


Die so essentielle Wahl des künstlerischen Leiters und Tontechnikers ergab sich von selbst. Sie fiel auf Jean Martial Golaz. Schon 1989 hatte ich meine erste Aufnahme unter seiner Leitung gemacht, und bisher insgesamt acht. Nach so vielen Stunden Musik, nach so vielen gemeinsamen Erlebnissen haben wir im Laufe der Jahre ein gegenseitiges Vertrauen sowie die Kenntnis der jeweiligen Arbeitsmethoden und Möglichkeiten entwickelt, was den Arbeitsablauf enorm erleichtert. Aus unserer bisherigen Zusammenarbeit ergab sich ebenfalls auf ganz natürliche Weise die Wahl des Aufnahmeortes. Sie fiel auf den inzwischen zum Mythos gewordenen Musiksaal in La Chaux-de-Fonds (Schweiz), den Jean Martial für diese Besetzungsart bevorzugt. Dort konnten wir eine denkbar natürliche Klangaufnahme mit nur einem Mikrophonpaar (Neumann TLM 50) für beide Instrumente schaffen, was dem Höreindruck des Publikums in einem Saal sehr nahekommt.

Die Wahl des Flügels fiel nach einem Dialog mit meinem Klavierpartner Philippe und dem Klaviertechniker Francis Morin. Er kannte unser bevorzugtes Instrument perfekt, hatte ich doch schon bei einer früheren Aufnahme das Vergnügen, mit ihm zusammenzuarbeiten. Einige Wochen vor der Aufnahme, nach vielem Zögern und Vergleichen zwischen mehreren Bögen – alle von meinem Bogenbauer Edwin Clement auf höchst fachmännische Weise an ein und demselben Tag zwecks gleicher Abnutzung wiederbehaart – fiel meine Wahl auf meinen Bogen von Nicolas Maline (19. Jh.), der hinsichtlich seiner Klangdichte und seines dynamischen Spielraums meinem Verständnis des Brahms’schen Geistes am nächsten kommt und mir die entsprechenden physischen Sensationen zum Hineintauchen in diese Musik liefert.


Die Harmonie einer Musikaufnahme hängt an einem Haar. Außer dem Komponisten und den Interpreten vergessen wir zu oft, wie viele andere Künstler mit ihrem Einfühlungsvermögen und ihrem Know-how ebenfalls wichtig sind, um all die erwartete Magie in eine Sphäre eindringen zu lassen, die nur vermeintlich autonom sei und der Einwirkung der Außenwelt gar nicht bedürfe.


Tedi Papavrami


 
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